Neue Facebook-Funktion: Organspender

Freitag, 9. November 2012
 

Bei Facebook ist es seit dem 01.11.2012 möglich zu hinterlegen, ob man Organspender ist oder nicht. Das ISDSG rät von der Nutzung dieser Funktion ab.

 

Seit dem 1. November 2011 ist es jedem Nutzer von Facebook möglich in seiner Timeline zu veröffentlichen, dass er sich dafür entschieden hat Organspender zu sein. Im Rahmen der Organspendereform soll jeder deutsche Bürger über 16 Jahre in den nächsten zwölf Monaten auf freiwilliger Basis durch seine Krankenkasse befragt werden, ob er Organspender sein möchte oder nicht. Diese Aktion ist zu begrüßen, da so jeder Deutsche dazu aufgefordert wird sich zumindest mit der Thematik zu beschäftigen und so sich möglicherweise Menschen zu einem Organspenderausweis entscheiden. Auch die Idee diese Entscheidung über ein soziales Netzwerk zu verbreiten erscheint sinnvoll, da so auch Gruppen erreicht werden können, die sich sonst vielleicht nicht mit der Entscheidung auseinander setzen würden.

 

Aus Sicht des Datenschutzes, ist dieses Vorgehen jedoch in Frage zu stellen. Deswegen rät das ISDSG – Institut für Sicherheit und Datenschutz im Gesundheitswesen von der Nutzung der Funktion auf Facebook ab, da "es sich bei Facebook um eine kommerzielle Plattform handelt und nicht auszuschließen ist, dass diese Angaben zukünftig auch für kommerzielle oder andere Zwecke genutzt werden könnten.", so Prof. Dr. Thomas Jäschke. Diese Daten in Kombination mit weiteren Gesundheitsdaten, wie beispielsweise der eigenen Blutgruppe, könnten in unsicheren Regionen der Welt Kriminelle dazu bewegen, gezielt nach solchen Personen zu suchen.

 

Ein anderes Beispiel stellt der eigene Todesfall dar, bei dem die eigenen Verwandten nach einer Zustimmung zur Entnahme von Organen und dessen Spende gefragt werden. Für den Fall, dass kein Organspendeausweis vorliegt und man sich durch den Eintrag im eigenen Facebook-Profil als Organspender ausgibt, kann dies durchaus als eine Willenserklärung interpretiert werden. Die Angehörigen könnten dies als Grundlage für ihre Entscheidung nutzen, auch wenn sich die eigene Einstellung dazu geändert hätte.

 

Das Thema Organspende ist ein wichtiges, gesellschaftliches Thema. Das öffentliche Interesse daran ist groß und natürlich ist nach dem Selbstbestimmungsrecht jeder für seine Daten selbst verantwortlich. Jedoch ist die Angabe zur Organspende ein erster Schritt die besonders schutzwürdigen Informationen eines Menschen, in dem Fall nämlich die Gesundheitsdaten, zu kommerzialisieren.

Autor: 
Prof. Dr. Thomas Jäschke, Simon Hacks
Copy: 
Erledigt

Buchhinweis Datenschutz und Informationssicherheit im Gesundheitswesen

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